• Dezember 2, 2019

Wahlfreiheit

Wahlfreiheit

Wahlfreiheit 1024 684 Choose Paper

Auswahl ist einer der Eckpfeiler des Wettbewerbs im Einzelhandel – das Recht, an der Kasse zwischen einer Papierquittung und einer digitalen Quittung zu wählen, soll den Verbrauchern aber genommen werden.

An den Kassen und Zahlungsschaltern in aller Welt wird gerade Krieg geführt. Sei es in Baumärkten, Modegeschäften, Schnellrestaurants oder Supermärkten – überall versuchen Einzelhandelsunternehmen nach und nach, bei ihren Kunden eine Umstellung von Papierquittungen auf E-Mail-Quittungen durchzusetzen.

Den Konsumenten gegenüber werden dabei Argumente angeführt wie Einfachheit („Kein Papier muss mehr mitgeschleppt werden!“), Übersichtlichkeit („Sie haben damit alle Unterlagen an einem Ort!“) oder sogar Umweltschutz („Retten Sie Bäume durch Papierlosigkeit!“). Letztlich geht es den Einzelhändlern in ihren Ladengeschäften aber um Kosteneinsparungen, zu denen die Abschaffung der Papierquittungen beitragen soll.

 

Dominoeffekt

Noch bieten die meisten Geschäfte, in denen man eine E-Mail-Quittung bekommen kann, ohne zusätzliche Gebühren auch eine Papierquittung an. Wie bei Rechnungen von Versorgungsunternehmen und Kontoauszügen kann es aber gut sein, dass der Bezug einer Papierversion schon bald etwas kosten wird. Verbraucher müssen dann für etwas extra zahlen, auf das sie einen Rechtsanspruch haben. Wenn es so weit gekommen ist, sinkt die Nachfrage nach Papierquittungen drastisch, sodass viele Geschäfte diese Art des Kaufbelegs einfach nicht mehr anbieten werden.

Natürlich könnte man nun sagen, dass sei eben der Fortschritt. Fehlende Wahlfreiheit bringt hier aber einige schwerwiegende Probleme rund um Datenschutz, Sicherheit, Verbraucherrechte und – am beunruhigendsten – Finanzübersicht mit sich.

 

Alles sicher?

Damit digitale Quittungen übermittelt werden können, müssen Kunden ihre Kontaktinformationen hinterlassen. Wenn es keine Möglichkeit mehr gibt, Papierquittungen zu erhalten, wirft das alarmierende Fragen zu Datenschutz und Sicherheit auf. Trotz der Datenschutz-Grundverordnung ist es klar, dass viele Unternehmen Kundendaten missbräuchlich verwenden: Kundennamen werden beispielsweise in Datenbanken für den Versand von Werbung eingetragen, oder Kundeninformationen werden an Dritte verkauft. Folge für die Verbraucher kann ein tägliches Bombardement mit unerwünschten Mitteilungen sein.

Abgesehen davon, dass diese Werbung den Posteingang verstopft, besteht auch die Gefahr, dass personenbezogene Daten verloren gehen oder gestohlen werden, sodass Kunden potenziell verheerenden Computerviren oder sonstigen kriminellen Aktivitäten ausgesetzt werden – all das kann passieren, wenn eine E-Mail-Adresse in die falschen Hände gelangt.

 

Vergessene Bevölkerungsgruppen

„Was soll man machen, wenn man keinen Breitbandanschluss hat oder das Internet wegen einer schweren Behinderung nicht nutzen kann?“

Bei technologischen Entwicklungen haben oftmals die Schwächeren in der Gesellschaft das Nachsehen – Ältere, Behinderte oder Menschen, die sich schlicht keine elektronischen Geräte leisten können. Gerade für diejenigen, deren Budget knapp ist, sind Papierquittungen sehr wichtig, um die Ausgaben nachverfolgen zu können und dadurch finanzielle Schwierigkeiten zu vermeiden.

„Es gibt eine ganze Reihe von schwächeren Menschen in der Gesellschaft, denen man sagt, sie sollten online gehen, die das aber ganz einfach nicht können“, so Judith Donovan, Leiterin der europaweiten Kampagne „Keep Me Posted – ICH ENTSCHEIDE“ für Wahlfreiheit bei der Art des Erhalts von Rechnungen und Dokumenten. „Was soll man machen, wenn man keinen Breitbandanschluss hat oder das Internet wegen einer schweren Behinderung nicht nutzen kann? Oder wenn man sich das nicht leisten kann, weil man arbeitslos ist oder noch studiert? Das ist furchtbar ungerecht.“

 

Freiheit nutzen oder verlieren

Die Schlussfolgerung lautet, dass Kunden ihre Wahlfreiheit behalten müssen. Sie müssen weiterhin wählen können, welche Art der Quittung sie erhalten – ohne Gebühren oder andere Nachteile. Da es unwahrscheinlich ist, dass diese Wahlfreiheit gesetzlich garantiert wird, kommt es auf die Verbraucher selbst an. Die Konsumenten müssen dafür eintreten, dass sie auch in Zukunft noch Papierquittungen bekommen können.

Wenn Sie also das nächste Mal an der Kasse stehen und gefragt werden, ob Sie lieber eine digitale Quittung möchten, bitten Sie um eine Papierquittung – erhalten Sie sich die Wahlfreiheit!