• Dezember 2, 2019

Kaufrausch

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Einzelhandelsgeschäfte durchlaufen derzeit einen umfassenden Wandel. Mit Schwerpunktlegung auf das Einkaufserlebnis haben sie bei Nutzung passender Technologien aber eine sichere Zukunft vor sich.

 

Vor einigen Monaten trafen sich über 8.000 Führungskräfte, Manager, Marktforscher und Experten aus dem weltweiten Einzelhandel im sehr großen Konferenzraum eines noch größeren Hotels in Las Vegas zur Retail-Messe Shoptalk 2019. In den Gesprächen, Diskussionsrunden und Informationsveranstaltungen ging es um die aktuelle Situation des Einzelhandels und seine Entwicklung in den nächsten zehn Jahren, sowohl im Online- als auch im Offline-Bereich.

Bei der viertägigen Shoptalk wurden Geschäfte abgeschlossen und Ideen geschmiedet, die das alltägliche Einkaufen prägen werden – ob beim schnellen Mitnehmen einer Tüte Milch am Abend oder bei der Anschaffung eines neuen Luxusgefährts. Egal, um welche Artikel und welches Land es geht, sind sich die Experten in einem Punkt einig: Ladengeschäfte werden für viele Markenartikler ein wichtiges Erfolgselement bleiben.

 

Herausforderungen im stationären Handel

Zweifellos haben es klassische Ladengeschäfte gerade schwer. Einzelhandelsketten, die aus den Einkaufsstraßen jahrzehntelang nicht wegzudenken waren, mussten Insolvenz anmelden, die Geschäfte schließen und Tausende Mitarbeiter entlassen. KPMG zufolge sind in den sechs Monaten bis September 2019 in Großbritannien 44 Einzelhandelsunternehmen pleite gegangen; große Handelsketten wie Marks & Spencer, Tesco und Boots haben Ladenschließungen und Stellenabbau angekündigt.

Jedem, der ein Kundenkonto bei Amazon hat, wird der Grund klar sein: die rasante Zunahme des Online-Shoppings. Klassische Ladengeschäfte stehen aber auch noch durch weitere Entwicklungen unter Druck. Zu nennen sind etwa Grundsteuererhöhungen und höhere Mieten für die Ladengeschäfte – um so etwas müssen sich rein digital agierende Unternehmen keine Gedanken machen.

 

Vorteile der physischen Präsenz

Online-Shopping kann zwar mit günstigeren Preisen und viel Komfort aufwarten, nicht aber mit dem physischen Einkaufserlebnis – dem Vergnügen, das mit dem Stöbern im Geschäft verbunden ist, dem Anfassen der Produkte und Anprobieren der Kleidung. Der Einkauf im Handel vor Ort hat einen wichtigen geselligen Aspekt: Viele Menschen gehen gern ein paar Stunden mit Freunden oder Verwandten bummeln, selbst wenn sie am Ende vielleicht gar nichts mit nach Hause nehmen.

„Alle Einzelhandelsunternehmen, ganz gleich in welchem Bereich, sind jeden Tag mit Herausforderungen und Belastungen konfrontiert“, stellt Alan Hawkins fest, CEO der British Independent Retailers Association (BIRA). „Der Konsument ist König – wenn er online einkaufen möchte, ist das seine Entscheidung. Wir beobachten aber, dass Verbraucher immer noch das Einkaufserlebnis und Serviceniveau wünschen, das sie in physischen Ladengeschäften finden.“

 

Einkaufserlebnis statt Online-Komfort

„Markenartikler werden die Offline-Sphäre nutzen, um Verbrauchern einen direkteren Kontakt zu ihren Produkten zu ermöglichen.“

In den meisten Einzelhandelsunternehmen ist man sich des physischen Vorteils der Läden im Vergleich zu ihrer Online-Konkurrenz durchaus bewusst. Darauf bauen sie auf, um Kunden einzigartige Erlebnisse zu bieten, die nur im persönlichen Kontakt möglich sind. Apple kombiniert die „Genius Bar“ mit der Präsentation der neuesten Produkte im Store – das ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie ein Markenartikler seinen Kunden in den Einkaufsstraßen näherkommt.

Das Matratzenunternehmen Casper bietet Interessenten in New York sogar die Möglichkeit, vor dem Kauf 45 Minuten lang ein Nickerchen zur Probe zu machen. Andere Unternehmen wie die Kaufhaus- und Versandhauskette Nordstrom probieren lagerlose Geschäfte aus, in denen Kunden eine Modeberatung von Stylisten erhalten können, um die ausgesuchten Kleidungsstücke dann online zu kaufen.

„Beim Einzelhandel der Zukunft wird es weniger um Transaktionen als um Beziehungen gehen,“ meint Emilie Colker, Executive Director beim globalen Design- und Innovationsberatungsunternehmen IDEO. „Markenartikler werden die Offline-Sphäre nutzen, um Verbrauchern einen direkteren Kontakt zu ihren Produkten zu ermöglichen.“

 

Vielversprechende Zukunft

Auch wenn in den Medien viel vom Niedergang des stationären Handels die Rede ist, sehen die Zukunftsaussichten für Ladengeschäfte tatsächlich gut aus: Vorhandene Geschäfte und Einkaufszentren werden mit Milliardeninvestitionen neu gestaltet; das Brent-Cross-Einkaufszentrum erhält beispielsweise im Rahmen eines 1,4 Milliarden Pfund teuren Projekts die doppelte Verkaufsfläche. Das globale Marktforschungsunternehmen Euromonitor International prognostiziert, dass bis zum Jahr 2022 weltweit 83 % aller Waren nach wie vor in Ladengeschäften gekauft werden.

Weitere Anpassungen sind unvermeidlich – so werden traditionellere Marken bei der Weiterentwicklung des stationären Handels auf der Strecke bleiben. Mit Technologien und neuen Ideen, die die sensorische Fülle des Shoppings vor Ort bereichern, wird das Einkaufserlebnis aber noch einzigartiger, angenehmer und vergnüglicher. Dieser Weg führt letztlich zum Erfolg!